10. Juni 2001
Staatsoper, Hamburg
Helnwein Stage design and costumes for Strawinsky's Opera "Rake's Progress"
Dirtector: Jürgen Flimm, Conductor: Ingo Metzmacher
Flimm gewann für Bühne und Kostüme Gottfried Helnwein, der angeblich notorisch Drastik und Provokation sucht, zunächst aber ein ingeniöser Bildmacher ist, -ein Maler, Grafiker und Fotograf. Das verbindet ihn mit William Hogarth, dem englischen Kupferstecher, dessen Bilderzyklen Strawinsky zur Oper inspirierten. Doch 250 Jahre später setzt Helnwein nicht bei Hogarth und seiner realistisch genauen Darstellung der Londoner Casinos, Lusthöllen und Irrenhäuser an. Helnwein arrangiert eine magische Zeitlosigkeit durch präzise Rekostruktion konkreter Stile und zugleich fantasiegeborener Kreationen. Selten erlebte man die plastische Wirkungskraft von Kostümen so intensiv wie in Helnweins schiefem, nach rechts sich neigendem Kubusraum, in den zur Linken drei Türen eingelassen sind und dessen hellweisse Flächen immer wieder Bildprojektionen dienen, Kostüme und Bilder sind von ausgesuchtem Antipsychologismus, von entwaffnend stereotyper Symbolik, so wie Audens und Kallmans Text, wie Strawinskys Musik. (Stuttgarter Zeitung, 16. Juni 2001)
Tom Rakewell and Anne Trulove
2001
DIE PREMIERE VON STRAWINSKYS"THE RAKE'S PROGRESS
20. Jun. 2001
Die Welt
Doris Banuscher
Lang anhaltender Applaus, Bravorufe, nicht ein einziges Buh ertönte.
Die Premiere von Strawinskys"The Rake's Progress" in der Inszenierung von Jürgen Flimm an der Hamburgischen Staatsoper fand eine tolle Resonanz beim Publikum .
Musikalischer Leiter war Ingo Metzmacher und der international bekannte Künstler Gottfried Helnwein begeisterte mit seiner Ausstattung.
DER WÜSTE LEBT
13. Jun. 2001
Der Tagesspiegel
Sybille Mahlke
Kleines Welttheater: Strawinskys Oper "The Rake's Progress" in Hamburg, illustriert von Helnwein.
Die Regie Jürgen Flimms fügt sich triftig in den Dialog zwischen kammermusikalischem Orchesterklang und Bühnenbild , weil Helnwein die Erzählung leitet.
Fern vom schweren Musikdrama,nimmt die Inszinierung die Stilexkursionen Strawinskys und Audens auf, wenn im Bordell Rokoko-Damen auf Glatzköpfe in gepolstertem Blouson-Look treffen und die Chefin Mutter Goose ostinat auf dem Teufel reitet.
In Helnweins Bildergeschichte macht sie ihrem Namen Ehre mit einem Donald Duck auf dem Kopf. ...
BEFREIUNG INS SCHWARZE NICHTS
12. Jun. 2001
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Julia Spinola
Aus dem Reich der Verstümmelten und der bandagierten Köpfe: Strawinskys "Rake's Progress" an der Hamburgischen Staatsoper.
Das Eindringen des Horrors in den Alltag hat wohl kaum jemand so beklemmend dargestellt wie der österreichische Künstler Gottfried Helnwein.
Auf seinen Bildern nimmt die Gewalt derart Besitz von der Normalität, dass sie zum alles vergiftenden Elixier des Grauens wird. Viele seiner Gemälde, Plakate, Fotografien und Federzeichnungen zeigen Versehrung und Verstümmlung von Menschen, klinische Folterszenen, brutalisierten Kindern mit apathischen Blick, mit verbundenen Köpfen und Händen, oder mit ausradierten Gesichtern.
Dennoch schockiert nicht die Inhalte allein: So umfassend scheint vielmehr Helnweins Perspektive auf das Leben vom Gefühl der Qual durchtränkt, dass selbst motivisch harmlosen Porträts, von John F. Kennedy oder Mick Jagger etwa, noch die Gewalt aus jeder fotorealistischen Pore dringt.
Auch als Bühnenbildner und Ausstatter hat sich Helnwein von dunklen Sujets angezogen gefühlt. In Zusammenarbeit mit Hans Kresnik entstanden drastische Bilderfluten zu "Macbeth" (Heidelberg), "Marat/Sade" (Stuttgart), und "Pasolini" (Hamburger Schauspielhaus).
Dass sein Blick auf Strawinskys "Rake" nun ein sehr spezieller sein würde, war zu erwarten. Weniger freilich, dass au
Indes interpretiert auch Jürgen Flimms Inszenierung die Geschichte vom Irrenhaus-Finale her, und das dürfte Helnwein besonders gereizt haben.
FLIMMS "RAKE" - EFFEKTVOLLES ENTERTAINMENT
11. Jun. 2001
Hamburger Abendblatt
jomi
Gottfried Helnweins Bühne - ein schlichter Schaukasten,
durch fantasievolle Videoprojektionen der wichtigste und cleverste Stichwortgeber des Abends -
STRAWINSKY: GÄRTNER STATT TAUGENICHTS
11. Jun. 2001
faz.net / Frankfurter Allgemeine
David Roesner
Opernpremiere
Der Bühnenbildner Gottfried Helnwein, zweite prägende Figur des Abends, hat das turbulente Libretto W.H. Audens in einem abstrakten Einheitsbühnenbild verortet, dessen Wände expressionistisch schief aufragen und sich durch Licht und Videoprojektionen effektvoll zu verwandeln wissen. Dabei entstehen teilweise überzeugende Traum- und Alptraumbilder: Anna Trulove (Gabriele Rossmanith), die verlassene Geliebte, sucht ihren Rumtreiber Rakewell (Bruce Fowler) und wandelt dabei zerbrechlich mit einem blauen Schirmchen durch die Londoner Unwirtlichkeit, die sie als Fernseh-Schneetreiben auf den Bühnenwänden umgibt. Das Schlussbild der Inszenierung schwingt noch auf dem Heimweg nach: die in Zeitlupe einstürzenden Bühnenwände, die einzig ein von der Liebe singendes Paar verschonen. Mehr Oper wäre gar nicht nötig gewesen. ...
THE RAKE'S PROGRESS
07. Jun. 2001
dpa
Hamburg (dpa/lno) - Der eine ist ein kampferprobter Bühnen-Profi, der andere macht sich stark für die Musik des 20. Jahrhunderts, der Dritte im Bunde hat mit seinen hyperrealistischen, plakativen Werken Furore gemacht. Flimm hat gemeinsam mit Helnwein, der auch die witzigen, farcenhaft übersteigerten Kostüme entworfen hat, am Bühnenbild gefeilt. "Die kleine Bühne macht die Figuren sehr stark. Und passend zu dem plakativen Stück hat Helnwein großformatig Videos und Dias mit Großstadtszenen und verzerrten Gesichtern in dem Raum projiziert." ...
STRAWINSKY'S TEUFELSWERK AN DER OPER
03. Jun. 2001
Welt am Sonntag
Engler
Das Haus an der Dammtorstrasse zeigt einen Klassiker der Moderne: Jürgen Flimm inszeniert "The Rake's Progress", Ingo Metzmacher dirigiert, und Gottfried Helnwein schuf das außergewöhnliche Bühnenbild. Der Maler, Fotograf, Bildhauer und Bühnenbildner Gottfried Helnwein gestaltet Bühne, Kostüme und Masken - nach Jörg Immendorff ist er der zweite Maler, der sich an die Strawinsky Oper wagt. Im Gegensatz zu dem Düsseldorfer Neuen Wilden geht Helnwein allerdings mit dem fotografischen Auge eines Kameramannes und mit großem Feingefühl als Kostüm- und Maskenerfinder zu Werke. "Was Gottfried Helnwein da gemacht hat, ist gewaltig," sagt der amerikanische Bassbariton David Pittsinger, ein erfahrener Strawinsky-Interpret, der in der Inszenierung den Teufel Nick Shadow singen wird. "Die Kostüme hat er als Maler entworfen, die Farben entsprechen den Klangfarben der Musik und denen der Figuren im Libretto," schwärmt der Sänger, dessen Lehrer Richard Cross noch selbst mit Strawinsky gearbeitet hatte. ...




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