25. Juli 2009
Die Presse
Georg Renner
Save the World Awards: Im Zeichen eines Toten
Vor dem AKW Zwentendorf wurden erstmals die Save the World Awards vergeben - im Gedenken an den verstorbenen Michael Jackson.
Wenige berührende Momente. Was von der Gala übrig blieb? Einige denkwürdige Momente. Die verstörende Installation Helnweins etwa, deren Bilder traumatisierter, verletzter und getöteter Kinder manchem Zuschauer die dunklen Seiten von Jacksons Geschichte in Erinnerung riefen.
Gottfried Helnwein at the "Save the World Award" Ceremony
2009
Eines muss man Georg Kindel lassen: Seine Gala zur Verleihung der Save the World Awards 2009, die am Freitagabend im niederösterreichischen Zwentendorf stattfand, hatte alle Zutaten für einen festlichen Abend der Superlative. Zunächst einmal war da natürlich der Veranstaltungsort selbst – wie viele Shows finden schon vor dem Hintergrund eines Atomkraftwerks statt, das nie in Betrieb gegangen ist?
Dann waren da die Stargäste – prominente Festredner und Ausgezeichnete aus verschiedensten Lebenssituationen. Hollywoodschauspielerin Andie MacDowell etwa, die trotz strömenden Regens durch das Programm führte, oder Leichtathlet Carl Lewis, der für sein Engagement für unterprivilegierte Kinder einen der neun Preise abstaubte. Und auch Freda Meissner-Blau, Ikone der Grünbewegung, die vor dem AKW für eine weitere Ökologisierung der Energiegewinnung eintrat, wurde geehrt.
Und die letzte Zutat, die die erstmals verliehenen Save the World Awards zum besonderen Ereignis machen sollten, war deren „Schutzpatron“ – Michael Jackson, dem die Gala nach seinem Tod kurzerhand gewidmet wurde, war während der knapp dreistündigen Gala am Freitag omnipräsent. Seine Lieder stellten das musikalische Rahmenprogramm dar, und der Maler Gottfried Helnwein, mit Jackson vor seinem Tod befreundet, würdigte den King of Pop mit einer Hommage.
Jahrmarkt der Nettigkeiten. Was all das miteinander zu tun hat? Vor allem, dass Georg Kindel sie zum Teil seiner Show gemacht hat. Seit 2000 organisiert der ehemalige Societyreporter gemeinsam mit Michail Gorbatschow die World Awards, seit 2004 auch die Women's World Awards und ehrt in diesem Rahmen allerlei Persönlichkeiten, die sich Verdienste in der Geschichte erworben haben – von Papst Johannes Paul II. über Paul McCartney bis zu Ingrid Betancourt reicht die Palette. Vor allem geht es bei den Galas um die großen Namen, die Preise vergeben oder bekommen – und so Medienöffentlichkeit und Sponsorengelder anziehen.
Wer in den World Awards aber nur eine inhaltsleere Show sieht, bei der sich die Guten, die Reichen und die Schönen gegenseitig auf die Schulter klopfen und sonst nicht viel passiert, übersieht dabei, dass häufig auch Initiativen ins Rampenlicht gestellt werden, die Publicity, etwa für die Suche von Sponsoren, gut gebrauchen können. Am Freitag wurden so auch SOS Kinderdorf oder das Green Cross ausgezeichnet, die damit einem Weltpublikum bekannt wurden; neben den knapp 2500 Zuschauern in Zwentendorf standen über 50 Fernsehstationen bereit, die Verleihung in alle Welt zu übertragen.
Zu sehen war ein breites Potpourri wohltätiger Organisationen und Persönlichkeiten. Karlheinz Böhm empfing einen Preis für sein Projekt „Menschen für Menschen“, Greenpeace durfte mit einem Plakat am Kraftwerk für die Energiewende werben, und Künstler und Gaststars wie Jermaine Jackson, der Bruder des verstorbenen Sängers, taten kund, welch großer Humanist und Wohltäter Michael Jackson gewesen sei. „Er hat mehr für Kinder in Not gespendet als jeder andere Mensch“, erinnerte sich etwa Gottfried Helnwein
Das Einzige, was an diesem Abend die Stimmung trübte, war das Wetter: Die schönste Feststimmung kann nämlich kippen, wenn sich das Publikum zum Schutz vor dem Regen Plastikplanen überstülpt. Erst gegen Ende der Show kam Festivalatmosphäre auf. Für Karlheinz Böhm gab es Standing Ovations; Landeshauptmann Erwin Pröll galt der Applaus für die Gastgeberschaft; und schließlich feierte sich auch das Publikum selbst, als es gemeinsam mit Jermaine Jackson „We Are the World“ anstimmte.
Wenige berührende Momente. Was von der Gala übrig blieb? Einige denkwürdige Momente. Die verstörende Installation Helnweins etwa, deren Bilder traumatisierter, verletzter und getöteter Kinder manchem Zuschauer die dunklen Seiten von Jacksons Geschichte in Erinnerung riefen. Oder jener berührende Moment, in dem Karlheinz Böhm in seiner Dankesrede, gegen Wind und Regen ankämpfend, erklärte, seine Frau Almaz werde das Werk von Menschen für Menschen weiterführen, solange es gebraucht werde. Es wirkte ein wenig wie ein Abschied, als der 81-Jährige danach die Bühne verließ. Der beherrschende Abschied des Abends blieb aber jener des omnipräsenten Superstars: Im strömenden Regen rang sich Jermaine Jackson im Gedenken an seinen Bruder Michael ein Smile ab, nachdem er festgestellt hatte: „Ich bin sicher, Michael lächelt heute auf uns herab.“
"Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2009
Wer in den World Awards aber nur eine inhaltsleere Show sieht, bei der sich die Guten, die Reichen und die Schönen gegenseitig auf die Schulter klopfen und sonst nicht viel passiert, übersieht dabei, dass häufig auch Initiativen ins Rampenlicht gestellt werden, die Publicity, etwa für die Suche von Sponsoren, gut gebrauchen können. Am Freitag wurden so auch SOS Kinderdorf oder das Green Cross ausgezeichnet, die damit einem Weltpublikum bekannt wurden; neben den knapp 2500 Zuschauern in Zwentendorf standen über 50 Fernsehstationen bereit, die Verleihung in alle Welt zu übertragen.




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