1. Dezember 2008
derStandard
Künstlerischer Denkanstoß für den Klimaschutz
Kunst im öffentlichen Raum: Riesengemälde von Helnwein in Wien - In nur fünf Tagen wurde eine Feuermauer bemalt
Wien - So mancher Autofahrer und Fußgänger an der Wienzeile am Wiener Naschmarkt wird sich in den nächsten Tagen wundern, wenn ein auf dem Kopf stehender Kinderkopf in markanten Blautönen die Blicke auf sich zieht. Mit einer Kunstaktion will der Klima- und Energiefonds der Republik Österreich auf die Umweltproblematik hinweisen: durch ein Mega-Gemälde des Künstlers Gottfried Helnwein, das am Montag offiziell präsentiert wird.
Das Originalbild wurde vom Künstler eigens für diese Installation geschaffen und wurde von zahlreichen Assistenten in klassischer Maltechnik mit Akryl- und Ölfarben aufgetragen. Statt der geplanten zwei Wochen Arbeitszeit wurde das 300 Quadratmeter große Gemälde in nur fünf Tagen fertiggestellt. Der Klima- und Energiefonds beschreitet mit dieser Aktion erstmals einen ungewöhnlichen Weg, um Menschen für die Problematik zu sensibilisieren. Stolz präsentiert man daher auch Gottfried Helnwein als Aushängeschild.
Der lange Atem wird kürzer
2008
Installationen im öffentlichen Raum
"Mit dem Thema Klimaschutz beschäftige ich mich schon seit langem", erklärte der Künstler im Interview mit der APA. "Daher habe ich spontan Ja gesagt, weil mich großformatige Installationen im öffentlichen Raum immer sehr interessieren." Nachsatz: "Außerdem habe ich in meiner Heimat Wien schon wirklich sehr viele Jahre nicht mehr gearbeitet." Helnwein ist als gesellschaftskritischer Künstler durchaus bekannt, sein Engagement für den Umweltschutz jedoch weniger. "Wenn man als aufgeklärter Mensch in Los Angeles lebt, ergibt sich das ganz von allein", erzählt er. "Downtown ist die Luft so schlecht, dass nach zwei Tagen in meiner Wohnung alles mit einer rußartigen Schicht überzogen ist. Man atmet pures Gift."
Trotzdem will Helnwein Los Angeles als Zweitwohnsitz neben Irland nicht missen: "Ich bin gern in den USA, weil es ein wunderbarer Studienort ist um zu sehen, wie eine Gesellschaft aus reiner Profitgier zu Grunde geht. Die Interpretation seines Werkes will er lieber anderen überlassen: "Mir geht es um den Dialog, der von der Kunst ausgeht." Also Provokation als Mittel zur Thematisierung und damit zum Dialog.
Abgeltung für Helnwein-Rechte
Mit jenen 30.000 Euro, die Gottfried Helnwein in Zusammenhang mit seinem monumentalen 300-Quadratmeter-Wandgemälde in Wien-Mariahilf erhält, werden "Aufwandsentschädigung, Kostenersatz und die Weitergabe bestimmter Rechte" am Werk abgegolten. Für das Bild selbst erhält der Künstler kein Honorar. Dies wurde am Sonntag vom Klimafonds und im Namen des Künstlers gegenüber der APA betont.
Ob das Bild wirklich im April 2009 wieder von der Wand weichen muss (bis dahin ist die Fläche derzeit angemietet), sei hingegen noch nicht sicher: Der Klimafonds habe sich eine "Option auf Verlängerung gesichert", hieß es. Das im Auftrag des Klima- und Energiefonds der Bundesregierung entstandene Wandbild an der Linken Wienzeile wird morgen, Montag, offiziell präsentiert. (APA)




nach oben