26. Juni 2009
Österreich
Kultur
Christoph Hirschmann
Chefredakteur
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Helnwein zum Tod Michael Jacksons
Christoph Hirschmann spricht mit Gottfried Helnwein
Helnwein: Ich hatte den Eindruck er hatte ein ehrliches Interesse, Kindern zu helfen. Er wollte alle Waisenheime und Kinderkrankenhäuser sehen. Wenn wir bei einem Krankenhaus ankamen, standen die Ärzte und Schwestern Spalier -, und er wollte die schlimmsten Fälle sehen. Ein Kind wurde ihm gezeigt, das ganz grün war und an einer schweren Leberkrankheit litt. Er saß eine Stunde lang an seinem Bett, hielt es in den Armen und streichelte es. Und als er erfuhr, dass kein Geld für die lebensrettende Transplantation vorhanden sei, gab er seinen Leuten den Auftrag die besten internationalen Spezialisten ausfindig zu machen und versprach die Kosten zu übernehmen.
Little Susie, HISTORY, Michel Jackson
1995
Kannten Sie Michael Jackson?
Helnwein: Ich habe ihn über einige Jahre immer wieder getroffen. Er machte auf mich den Eindruck eines äußerst intelligenten, wissbegierigen Menschen. Er hat mich viel über Kunst befragt, über Maler, über Maltechniken, und er schien im Gespräch konzentriert und präzise.
Sie waren mit ihm anlässlich der Dreharbeiten zu seinem „History“ Video auch in Ungarn …
Helnwein: Er hatte in Budapest ein ganzes Hotel gemietet. Ein Zimmer hatten er und Lisa Maria Presley bezogen, mit der er gerade frisch verheiratet war, eines meine Frau und ich, und in allen Stockwerken standen Bodyguards herum. Er hatte auch einen kleinwüchsigen Mann dabei, der ein ausgesprochener Giftzweg war und ständig vor sich hinkeifte und über alles schimpfte, Michael war begeistert („how can sombody so little be so mean“).
Was tat Jackson in Budapest, wenn er nicht drehte?
Helnwein: Ich hatte den Eindruck er hatte ein ehrliches Interesse, Kindern zu helfen. Er wollte alle Waisenheime und Kinderkrankenhäuser sehen. Wenn wir bei einem Krankenhaus ankamen, standen die Ärzte und Schwestern Spalier -, und er wollte die schlimmsten Fälle sehen. Ein Kind wurde ihm gezeigt, das ganz grün war und an einer schweren Leberkrankheit litt. Er saß eine Stunde lang an seinem Bett, hielt es in den Armen und streichelte es. Und als er erfuhr, dass kein Geld für die lebensrettende Transplantation vorhanden sei, gab er seinen Leuten den Auftrag die besten internationalen Spezialisten ausfindig zu machen und versprach die Kosten zu übernehmen.
Hat Jackson die Bewunderung, die ihm zuteil wurde, genossen?
Helnwein: In Ungarn bin ich mit ihm in seinem Van mitgefahren. Das Hotel war Tag und Nacht von unzähligen Fans umlagert, und es gab ein gigantisches Kreischkonzert, wenn unser Wagen das Hotel verliess. Ein Polizeiaufgebot musste uns den Weg durch die hysterische Menge bahnen. Immer wieder versuchten Leute den Wagen zu berühren und Michael zu erspähen. Der sass hinter den schweren Vorhängen, sah durch einen Spalt hinaus und lachte und jubelte. Er freute sich über das Spektakel wie ein Kind wenn Weihnachten ist.
War da viel Selbstinszenierung?
Helnwein: Er hat alles inszeniert, es gab keine Zufälle in seiner Karriere. Er hat dies auch selbst gesagt, sogar die Gerüchte über seine Person hat er zum grossen Teil selbst gestreut. 'Wenn ich es nicht mache, werden es andere machen, so habe ich wenigstens die Kontrolle darüber'.
Er wollte ein Geheimnis sein, ein Mythos, eine Märchengestalt, ein Gott.
Was schwächte ihn am Ende?
Helnwein: Die Probleme begannen, als er anfing seine Selbstinszenierungen zu glauben. Ich denke, er verlor die Distanz und begann sich selbst zu verehren. Aus dem Spiel wurde Sucht und Obsession. Er war überwältigt von seinem eigenen Ruhm, und der scheinbar grenzenlosen Power über die er verfügte. Es gab nichts was er nicht haben konnte, wenn er nur wollte. Wenn er das Metropolitan Museum of Art in New York besuchen wollte, wurde es für ihn nach Mitternacht aufgesperrt, die Lichter gingen an, das Personal tanzte an, Michael erschien eine Stunde zu spät, sah sich ein paar Bilder an, weinte vor Ergriffenheit und verschwand wieder.
Zerbrach er am Ruhm?
Helnwein: Die Sucht, angebetet zu werden, erodierte seine intellektuelle und künstlerische Integrität. Ich glaube auf dem Höhepunkt seiner Karriere dachte er alles erreicht zu haben was erreichbar ist. Die Herausforderungen waren weg, er sah keine Konkurrenten mehr und er dachte niemand sei jemals so weit gekommen wie er. Das Spiel schien vorbei zu sein. Er hörte auf zu kreieren, nahm Unmengen von Medikamenten und verlor langsam die Kontrolle.
Die Massenmedien, die er so lange vorgeführt hatte wie einen Tanzbären, erkannten die Schwäche sofort, wandten sich nun gegen ihn und begannen ihn zu zerfleischen: sie transformierten den Gott in einen pädophilen Freak, dem das operierte Gesicht zerfiel.
Sein frühzeitiger plötzlicher Tod hat den Mythos Michael Jackson für die Ewigkeit gerettet.
Michael Jackson
silver print, 1988, 66 cm x 99 cm / 25'' x 38''
Michael Jackson and Lisa Marie Presley
1994, photo: Gottfried Helnwein
Filming of Michael Jackson's "History"-video in Budapest
1994, photo: Gottfried Helnwein
Filming of Michael Jackson's "History"-video in Budapest 1994
photo: gottfried helnwein
Michael Jackson love note to Gottfried Helnwein
1990




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