internationale Presse
10. November 2016
Tiroler Tageszeitung
APA
US-Wahl - Maler Helnwein: „Stille Revolution hat stattgefunden“
Künstler und Kulturschaffende zum Ausgang der Wahl
Washington/Wien (APA) - Donald Trump wird der nächste Präsident der USA. Der republikanische Kandidat setzte sich in der Nacht auf Mittwoch gegen seine demokratische Kontrahentin Hillary Clinton durch. Die APA - Austria Presse Agentur hat aus diesem Anlass österreichische Künstler und Kulturschaffende zum Ausgang der Wahl befragt und dokumentiert nachfolgend die Antworten.


Gottfried Helnwein, Maler und bildender Künstler:



1. Hatten Sie diesen Wahlausgang erwartet?


Ja.



2. Wie erklären Sie sich, dass mehr als die Hälfte der amerikanischen Wähler Donald Trump zum Präsidenten kürt?


Die Mehrheit der Amerikaner hat die Nase voll von den Lügen der Politiker, den gebrochenen Versprechen, der Korruption, den nicht enden wollenden Kriegen in der ganzen Welt. Das Vertrauen der Menschen in die traditionellen Parteien und die Medien ist auf einen absoluten Tiefpunkt gesunken.

In Amerika hat so etwas wie eine stille Revolution stattgefunden, die Menschen sind zum Entsetzen des Establishments in Scharen zu den Außenseitern Bernie Sanders und Donald Trump übergelaufen. Niemand hat diesen beiden Seiteneinsteigern, dem zerzausten Professor und dem ordinären Clown, ursprünglich auch nur die geringsten Chancen gegeben. Wie wir durch Wikileaks wissen, konnten die Demokraten Hillarys Kandidatur nur durch Wahlmanipulation retten. Parteichefin Debbie Wasserman Schultz und drei weitere führende Demokraten mussten daraufhin zurücktreten. Bei Trump hat das offensichtlich nicht geklappt. Trotz aller Versuche der führenden Republikaner ihn loszuwerden und einer massiven Medienkampagne gegen ihn ist es nicht gelungen ihn aufzuhalten.




3. Wie wird sich die Welt unter einem US-Präsident Donald Trump verändern?


Das ist schwer zu sagen, er ist unberechenbar, da er politisch ahnungslos ist und im Wahlkampf viel Unsinn geredet hat. Bei Hillary hingegen wäre die weitere Entwicklung klar voraussehbar gewesen. Sie vertritt die Interessen des Military Industrial Komplexes. Sie hat ganz klar militärische Angriffe auf Russland und den Iran angekündigt. Sie hat wortwörtlich gesagt: „Ich will, dass die Iraner wissen, wenn ich Präsidentin bin, werden wir den Iran angreifen und wir sind imstande, sie total auszulöschen.“ Das war ihre Botschaft an die Welt und die 80 Millionen Menschen, die in diesem Land leben. Trump und Putin scheinen hingegen ganz gut miteinander zu können. Eine militärische Auseinandersetzung der beiden Supermächte ist also weit weniger wahrscheinlich.





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