16. November 2008
Die Presse
Kultur
Christian Gattringer
Wienzeile: Sechs Monate Helnwein
WANDKUNST. In Mariahilf entsteht das größte Wandbild des Künstlers Gottfried Helnwein. Die Zukunft des Werks ist ungewiss.
Wien. Besuchern des Naschmarktes bietet sich dieser Tage ein ungewöhnlicher Anblick. Auf einer Brandmauer des Hauses Linke Wienzeile 34 schwebt eine Plattform in zwanzig Metern Höhe. Auf ihr trotzen vier Gestalten mit Pinseln den Herbstwinden – die Assistenten eines österreichischen Künstlers von Weltrang: Gottfried Helnwein.
Eigens aus den USA eingeflogen, malen sie hier nach Entwürfen ihres Meisters das bis dato größte Wandbild Helnweins auf den weißen Putz. 300 Quadratmeter wird das Werk umfassen, wenn es der Auftraggeber – der Klima- und Energiefonds der Bundesregierung – Anfang Dezember offiziell „einweiht“.
Mahnmal für Klimaschutz
Was das Bild am Ende darstellen soll, wollen die Geschäftsführer des Klimafonds, Eveline Steinberger und Ingmar Höbarth, noch nicht verraten. Nur eines: „Wir möchten damit das Bewusstsein für den Klimaschutz schärfen“, so Steinberger. Die Kosten des Bilds beziffert die Geschäftsführerin mit etwa 70.000 Euro. Der Klimafonds komme lediglich für die Miete der Fläche sowie Gerüst, Farben und andere Spesen auf. Helnwein verzichte auf sein Honorar.
„Das Thema liegt ihm persönlich sehr am Herzen“, sagt Sonja Ammann, PR-Verantwortliche des Klimafonds. Sie freut sich besonders, dass Helnwein auch einen Begleittext zu seinem Bild liefert, der ebenfalls auf die Wand gemalt werden soll.
Rasche Umsetzung
Das Engagement des viel beschäftigten Helnweins – normalerweise pendelt er zwischen Irland und Los Angeles – verdankt der Klimafonds Ammanns Kollegin aus ORF-Zeiten, Nora Frey. Die frühere Radiomoderatorin stellte Ende August den Kontakt zu dem Künstler her. Schon Anfang Oktober kam Helnwein nach Wien, um die Wand in der Linken Wienzeile zu begutachten. Keine zwei Wochen später übermittelte er seinen Entwurf. Auch die Abstimmung mit den Behörden ging gut vonstatten. „Das Magistrat, die Bezirksvorsteherin, der Denkmalschutz, alle haben an einem Strang gezogen“, so Geschäftsführer Höbarth.
Schon im Juni wieder weg?
Am 1. Dezember um 18 Uhr soll die Wandmalerei im Rahmen eines Festakts der Öffentlichkeit übergeben werden. Die Zukunft des Werks ist ungewiss. Der Klimafonds hat die Wand für sechs Monate angemietet. Danach hofft man auf einen Sponsor. Höbarth: „Ansonsten könnte es sein, dass das Bild im Juni mit einer Werbebotschaft übermalt wird.“
Auf einen Blick
Gottfried Helnwein, (*1948 in Wien) studierte an der Wiener Akademie der Bildenden Künste. Heute lebt er abwechselnd in den USA und Irland. Helnwein ist besonders für seine realistischen Porträts verletzter und gequälter Kinder bekannt. Mit seinen Bildern und Installationen sorgte er immer wieder für Skandale. So etwa 1973 mit einem Titelbild für das „profil“: Helnwein malte ein Mädchen, das sich die Pulsadern aufschlitzt. [DPA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2008)
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