21. November 2008
Kurier
Kultur
Michael Huber
Und was soll mit der Kunst passieren?
In der Politik stehen zahlreiche Kultur-Debatten an. Ein Überblick über die Standpunkte der Parlamentsparteien.
Da Grundsatzfragen zuletzt sehr populär waren, hat der KURIER im Endspurt der Verhandlungen alle Parlamentsparteien befragt. Beatrix Karl (ÖVP): Gottfried Helnwein, renommierter bildender Künstler mit Stationen in Irland, Amerika, Großbritannien, Deutschland, Schweiz, Israel, sagte kürzlich in einem Interview: „Es gibt kein Land, das soviel in Kultur investiert wie Österreich." Diese Einschätzung wird untermauert durch einen Blick auf konkrete Zahlen. So sind beispielsweise die pro Kopfausgaben für Kultur in Österreich mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland, zweimal so hoch wie in Italien, und höher als in Frankreich. Oder denken Sie an die Diskussionen z.B. in Deutschland über Theaterschließungen. Auch Peter Zadek hat einmal darauf hingewiesen, dass man nur mehr in Österreich mit so viel Geld Theater machen könne.
Die Regierungsverhandlungen befinden sich in der Zielgeraden, Kulturpolitik spielte dabei in der Öffentlichkeit eine untergeordnete Rolle: In den Verhandlungen der Untergruppe, geführt von ÖVP-Minister Johannes Hahn und SPÖ-Ministerin Claudia Schmied, war das Thema Kultur angeblich in zwei Sitzungen durch. Schmied wird voraussichtlich Ministerin für Unterricht, Kunst & Kultur bleiben und sich mit vielen Forderungen auseinandersetzen müssen. Da Grundsatzfragen zuletzt sehr populär waren, hat der KURIER im Endspurt der Verhandlungen alle Parlamentsparteien befragt.
1. Wie definieren Sie den Begriff "Kulturnation"?
Dr. Claudia Schmied (SPÖ):
Österreich verfügt über ein großes kulturelles Erbe. Dieses Erbe verleitet manche dazu, die Kulturpolitik alleine auf das Bewahren dieser wichtigen Schätze zu fokussieren. Auch der Begriff Kulturnation wird häufig als Hinweis auf die Schätze der Vergangenheit verwendet. Kulturpolitik muss aber – neben der Pflege unserer großen Schätze der Vergangenheit – vor allem die Förderung von Innovation und Neuem ins Zentrum rücken. Eine Kulturnation wie Österreich ermöglicht Neues und pflegt die Schätze der Vergangenheit. Eine Kulturnation muss die kritische Debatte der Individuen und sozialen Gruppen über ihre Umwelt, die wirtschaftlichen Entwicklungen, ihre Lebensbedingungen und die Gesellschaft fördern. Kulturelles Leben kann nicht verordnet oder geplant werden, es kann nur gefördert und ermöglicht werden.
Beatrix Karl (ÖVP):
Gottfried Helnwein, renommierter bildender Künstler mit Stationen in Irland, Amerika, Großbritannien, Deutschland, Schweiz, Israel, sagte kürzlich in einem Interview: „Es gibt kein Land, das soviel in Kultur investiert wie Österreich." Diese Einschätzung wird untermauert durch einen Blick auf konkrete Zahlen. So sind beispielsweise die pro Kopfausgaben für Kultur in Österreich mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland, zweimal so hoch wie in Italien, und höher als in Frankreich. Oder denken Sie an die Diskussionen z.B. in Deutschland über Theaterschließungen. Auch Peter Zadek hat einmal darauf hingewiesen, dass man nur mehr in Österreich mit so viel Geld Theater machen könne. Selbstverständlich muss sich jede/r Minister/Ministerin aufgerufen fühlen, auch budgetär ein noch überzeugenderes Zeichen zu setzen.
Heidemarie Unterreiner (FPÖ):
Diskussionen über den Begriff Kultur werden seit jeher geführt. Kultur und damit auch der Begriff Kulturnation muß ein umfassender sein. Kultur ist aus freiheitlicher Sicht die Gesamtheit aller zivilisatorischen Ausdrucksformen. Ihre höchste schöpferische Ausdrucksform ist die Kunst, die in einer freiheitlichen Gesellschaft keiner Beschränkung unterliegt. Kultur schließt alle Lebensformen, die im Laufe unserer Geschichte, in unserem Sprach- und Kulturraum gewachsen sind, ein. Religion, Sprache und Kunst erachten wir als identitätsstiftende Säulen. Traditionen, Sitten und Gebräuche sind wesentlich für unser Kulturverständnis. Wir bekennen uns zur Republik Österreich. Aber auf Grund der gemeinsamen Sprache fühlen wir uns in die deutsche Kulturgemeinschaft eingebunden.
Stefan Petzner (BZÖ):
Das nationale Selbstverständnis basiert primär entweder auf Kultur-, oder auf Nationalbewusstsein. Die Charakteristika einer Kulturnation ist meiner Meinung nach die gemeinsame Sprache, Religion und Tradition der Menschen, hinzu kommt eine historische Perspektive. Kulturelle Errungenschaften der Vergangenheit gehören genauso dazu, wie jene des aktuellen Zeitgeistes.
Dr. Wolfgang Zinggl (Grüne):
Der Begriff deutet entweder darauf hin, dass diese eine Nation mehr Kultur hat als andere: Das wäre dumme Angeberei. Oder dass sie sich als kulturelle Gemeinschaft versteht: Das wäre naive Angeberei. Oder dass sie nur über eine einzige Kultur verfügt: Das wäre fatal und trifft zum Glück niemals zu, sonst würde diese eine Nation gegen die Unesco-Konvention verstoßen.




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