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09. November 1988
Charles-Henri Favrod
Director Musée de l'Elysée Lausanne
"Ninth November Night" Catalogue
REICHSKRISTALLNACHT - NACHT UND NEBEL
»Im Kampf gegen den Juden verteidige ich das Werk des Herrn!« Das sagt Hitler in Mein Kampf, Bereits im April 1933 organisiert die SA eine Boykottkampagne gegen jüdische Geschäfte, und ein Erlaß verbietet die Verbeamtung von Juden. Am 15. September 1935 entziehen die Nürnberger Gesetze den Juden die deutsche Staatsangehörigkeit, verbieten die Eheschließung und außereheliche Beziehungen zwischen Juden und Ariern. Im Laufe der folgenden Jahre werden Juden von freien Berufen ausgeschlossen.
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Nach der Ermordung des deutschen Botschaftsrates in Paris, von Rath, durch einen jungen polnischen Juden erfolgt vom 9, auf den 10. November 1938 die »Reichskristallnacht«, in deren Verlauf die Geschäfte und Wohnungen der Juden und Synagogen geplündert werden. In den darauffolgenden Tagen vollziehen Erlasse den vollständigen Ausschluß der Juden vom wirtschaftlichen Leben.
Man erlegt ihnen eine Strafe von einer Milliarde Mark auf, man zwingt sie, den gelben Stern zu tragen, man verbietet ihnen, Deutschland zu verlassen, man verhaftet sie und deportiert sie bald darauf. In der »Reichskristalinacht« liegt bereits der Keim von Nacht und Nebel. |
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Es beginnt die Selektion nach der Form der Nase oder der Ohren, der Farbe der Augen oder der Haare, mit pseudowissenschaftlichen Begründungen, die die Perversität auf die Spitze treiben.
Gottfried Helnweins Absicht war es, mahnend an die Ausnahmegesetze und die abartigen arischen Eugenik-Theorien zu erinnern, Die Serie von Kinderporträts stigmatisiert die Rassenideologie, und von ihr geht eine außergewöhnliche Kraft aus. Es ist im übrigen diese Ausstrahlung, die einen ewig Gestrigen zu Schnitten mit dem Rasiermesser veranlaßt hat, als die monumentalen Bilder in Köln zwischen dem Dom und dem Museum Ludwig ausgestellt wurden. |
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Ich hege tiefe Bewunderung für die Arbeit Gottfried Helnweins. Dieses photogrophische Zeugnis regt zum Nachdenken an
und verlangt die Prüfung des Gewissens - die in der Frage des Rassismus bei jedem von uns nötig ist. Das Zerfetzen der Portraits beweist, daß wir der Mahnung der »Endlösung« nicht gleichgültig gegenüberstehen dürfen. Ich schätze mich glücklich, daß ich diese Galerie der Erinnerung in ihrer derzeitigen Form in Lausanne ausstellen kann. Wir finden dort übrigens auch zahlreiche Fotos aus dem Osten, im Namen des im Entstehen begriffenen neuen Europas, nun, da der Totalitarismus zurückgedrängt wird. Die Kindergesichter sollen daran gemahnen, daß unzälige Opfer in den vergangenen sechzig Jahren gefordert wurden, um aus Nacht und Nebel herauszugelangen. |
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Museum Ludwig, Köln, 17.9. - 30.11.1988
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Museé de l'Elysée, Lausanne, 22.6. - 30.8.1990
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