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9. November 1988
Simon Wiesenthal
Gottfried Helnwein, Neunter November Nacht
Museum Ludwig Köln
Gedanken
Nicht einmal vor den Kindern wurde haltgemacht, auch sie fielen der Vernichtung zum Opfer, Es war die bestechende Idee von Gottfried Heinwein, die Konsequenzen dieser »Zeit ohne Gnade« so unkonventionell darzustellen. Er verwendete keine Fotos von Leichenbergen; Kinderbilder zwingen den Betrachter, stehen zu bleiben und sich diesem Gedanken zu stellen. Die Wut der Neonazis, mit der sie auf diese Bilder reagiert haben, ist verständlich, es ist dieselbe Wut, mit der sie seit Jahren gegen das Tagebuch der Anne Frank kämpfen, denn die Ermordung von Kindern wird in jedem Menschen - mag er ideologisch noch so irre geleitet sein - Abscheu und Widerspruch erwecken.
Neunter November Nacht
1988, 400 x 1000 cm / 157 x 393''
Wer nach der Reichskristallnacht noch Illusionen hatte,was die Nationalsozialisten mit den Juden vorhatten, verkannte den Trieb des Bösen, der sich hier offenbart hat
Auf die Juden als eine Minorität wurde alles Verwerfliche und Schlechte, wurde jede böse Eigenschaft projiziert, und das machte es den Tätern leicht, die Barriere zwischen Leben und Tod ihrer Opfer zu überwinden.
Nicht einmal vor den Kindern wurde haltgemacht, auch sie fielen der Vernichtung zum Opfer, Es war die bestechende Idee von Gottfried Heinwein, die Konsequenzen dieser »Zeit ohne Gnade« so unkonventionell darzustellen. Er verwendete keine
Fotos von Leichenbergen; Kinderbilder zwingen den Betrachter, stehen zu bleiben und sich diesem Gedanken zu stellen.
Die Wut der Neonazis, mit der sie auf diese Bilder reagiert haben, ist verständlich, es ist dieselbe Wut, mit der sie seit Jahren gegen das Tagebuch der Anne Frank kämpfen, denn die Ermordung von Kindern wird in jedem Menschen - mag er ideologisch noch so irre geleitet sein - Abscheu und Widerspruch erwecken. Aber der Vernichtungswille hat überlebt, er tobte sich an den Bildern aus, indem man versuchte, sie durch Schnitte zu zerstören.
»Menschen, bitte bleibt alle stehen, schaut Euch diese Kindergesichter an und multipliziert ihre Zahl mit einigen Hunderttausend. Dann werdet ihr das Ausmaß des Holocaust, der größten Tragödie in der Geschichte der Menschheit, erkennen oder erahnen!«
Museum Ludwig Cologne 17.9. - 30.11.1988




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